Reflexion im Schreibworkshop 

“Ich wusste nicht, dass ich das darf”. Die Aussage stammt von einem Teilnehmer in einem Workshop, den ich für eine Gruppe von Anforderungsingenieuren durchführte. Sie bildeten ein Team, das Anforderungen an das SAP-System der Behörde definierte. Die zehn Teilnehmenden wollten ihre Schreibkompetenzen erweitern. Mit den Aha-Erlebnissen und Einsichten, zu denen sie durch Reflexion im Schreibworkshop kamen, rechneten sie wohl nicht. 

Schreiben zur Reflexion 

Als Einstieg durften die Teilnehmenden ein paar Minuten drauflosschreiben – ohne Hemmungen, ohne (Selbst-)Zensur, ohne Rücksicht auf grammatikalische und orthografische Verluste. Nach der Übung fragte ich, wie sich das hemmungslose Schreiben anfühlte. Einer der Teilnehmer meinte, wie eingangs zitiert, er hätte nicht gewusst, dass er so schreiben dürfe. Er nahm offenbar an, dass er mehr oder weniger druckreif schreiben müsse. In der kurzen Übung erfuhr er jedoch, dass es auch anders geht. Die Übung dürfte für ihn ein Aha-Erlebnis gewesen sein, weil er zum ersten Mal nur für sich und für niemand anderen schrieb. 

Diese Übung stiftet Schreibende an sich ihrer Annahmen und Gewohnheiten bewusst zu werden. Die Einsicht kann so trivial sein, wie zu merken, dass wir Schreibende nicht schon vor einem Publikum stehen, sondern zuallererst für uns selbst schreiben und noch üben dürfen. Erst in den Folgeschritten im Schreibprozess müssen wir an unser Publikum denken und unseren Text entsprechend überarbeiten. 

Vorstellung vs. Textrealität 

Bei der Diskussion der Texte der Teilnehmenden sprachen wir über guten Schreibstil. Anforderungsdokumente enthalten sachliche und präzise Beschreibungen neuer Funktionen, die eine Software bieten soll. Es geht also nicht um schöne oder unterhaltsame Texte. Dennoch schadete es den Teilnehmenden nicht, ihre Stilvorstellungen zu hinterfragen. 

Als wir die Merkmale guten Stils diskutierten, waren sich die Teilnehmenden einig, dass aktive Sätze besser als passive sind. Als ich ihnen anhand ihrer Texte zeigte, dass diese vorwiegend im Passiv geschrieben waren, staunten sie erst einmal. Ihre Vorstellungen und ihre eigenen Texte deckten sich bis dahin nicht. Ich wollte ihnen nicht vorschreiben, dass sie von nun an nur noch aktive Sätze schreiben dürfen. Ich ermunterte sie jedoch zur bewussten Auseinandersetzung mit ihrem Schreibstil und der Frage, wie ihre Texte am besten das Zielpublikum erreichen. 

Das Team lernt dazu 

Im Laufe der Arbeit in Kleingruppen sagte der Vorgesetzte des Teams beiläufig etwas, was im Plenum zu einem kollektiven Aha-Erlebnis führte. Er erklärte, dass es für bestimmte Begriffe einen Leitfaden gebe. Niemand aus dem Team wusste von diesem Leitfaden und davon, dass sie damit arbeiten sollten. Die anschliessende Diskussion trug dazu bei, dass sich die Teammitglieder über ihre Tätigkeit austauschen konnten. Ihre Textarbeit gewann durch die Reflexion, weil sie nun Einsichten in ihren Arbeitsalltag mitnahmen, mit denen sie bewusster und gezielter schreiben würden. 

Massgeschneiderte Workshops für Ihr Team 

Was im Arbeitsalltag gerne vergessen geht, wird ein Workshop zutage fördern. Für Ihr Team konzipiere ich einen massgeschneiderten Schreibworkshop, in dem die Teilnehmenden sowohl individuell als auch als Team ihre Schreibarbeit reflektieren. Ein reicher Schatz an Übungen und Methoden erlaubt mir, den Teilnehmenden einen frischen Blick auf ihre Tätigkeit, Vorstellungen, Gewohnheiten und ihr Wissen zu ermöglichen. 

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